Spezial: Hostel-Horror

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Ich weiß nicht, wer mit dem Konzept des „Hostels“ irgendwann mal angefangen hat, aber er feiert damit weltweit Erfolge. Mir etwas unverständlich, denn jedes Hostel nervt die Gäste auf seine eigene Weise; davon kann man erstmal grundsätzlich ausgehen. Wahrscheinlich gehört aber gerade das zum Konzept, anders kann ich mir das inzwischen nicht mehr erklären. Man erlebt jedes Mal neuen Unfug, auf den man vorher nicht mal im Traum gekommen wäre. Und da unterscheiden sich Hostels in der „Dritten Welt“ nicht von Hostels in sogenannten „Industriestaaten“.

 
 
 
 

Generell ist die ganze Sache mit den Mehrbettzimmern schon mal katastrophal. Im schlimmsten Fall stört man sich ständig gegenseitig, im besten Fall herrscht aus Rücksichtnahme so eine bedrückende Stille, dass man depressiv wird. Einmal habe ich mir jetzt sogar mal getraut in einem 20-Bett-Zimmer zu schlafen. Richtig schlafen konnte ich natürlich nicht. Die Klimaanlage (zwar schön, dass es eine gibt), war erstens zu kalt und zweitens laut; und dann geht natürlich bei 20 Betten die meiste Zeit die Tür auf und zu; und die quietscht selbstverständlich und plautzt immer schön laut ins Schloss. Ich glaube, ich hab dann zwischen 5 und 6 Uhr mal kurz etwas geschlafen – bis die ersten dann schon wieder angefangen haben, ihre Sachen zu packen, weil sie abreisen. Da raschelt es überall mit Tüten und es gehen Klettverschlüsse und Reißverschlüsse und Schnallen … ooooooaaaaarrrrr …

 
 

Oder aber es reicht schon ein 6-Bett-Zimmer, was von zwei unflätigen Personen so dermaßen okkupiert wird, dass eigentlich niemand mehr richtig Platz findet. Ich weiß so schon nie, wo ich in einem Hostelzimmer mein Zeug abstellen soll: Es sind ja immer alles Doppelstockbetten. Der, der unten schläft, kann ja wenigstens noch etwas auf den Boden stellen, oder unters Bett räumen. Und der, der oben schläft? Wo soll der bitte schön seinen Krempel hinstellen? Unmöglich. Ich hab’ zum Glück ’nen kleinen Rucksack und nehme den jetzt immer mit ins Bett bei sowas.

 
 
 
 

Oder aber es heißt zum Beispiel, dass das, was jetzt ein Hostel ist, vorher mal ein Hotel war. Denkt man: „Wow, da haben wir hier ja bestimmt jetzt eine super Zimmerqualität!“ In Wirklichkeit bedeutet das aber: es befinden sich Fernseher auf dem Zimmer und wenn eine unflätige Person fern sieht, werden alle anderen mit beflimmert und beschallt. Also das ist, glaube ich, bisher die größte Unart gewesen, die ich in einem Hostel erlebt habe. Wie kann man denn bitteschön als Betreiber einen Fernseher in einem Mehrbettzimmer aufstellen? Denken die etwa wirklich, das ist eine gute Idee? Besonders, wenn unten im Gemeinschaftsareal ein Fernseher läuft und sogar noch eine riesen Leinwand daneben hängt und es sogar noch einen extra Fernsehraum gibt? Ich begreife das einfach nicht, das ist doch Blödsinn sowas.

 
 

Dann ist ja noch das Ding mit den Gemeinschaftsbädern. Es gibt einmal das „normale Gemeinschaftsbad“, was sich irgendwo zwischen 2 und 200 Metern Entfernung auf der Etage befindet. Das ist meistens groß und mit mehreren Toiletten und Waschbecken und Duschen. Wenn man sich also in irgend einer Form putzen will, geht man dort hin und man verlässt dazu sein Zimmer, in dem alle schlafen, noch schlafen, oder versuchen zu schlafen. Das is ja noch ok, denn man stört sich dadurch fast nicht.

Dann gibt’s aber noch das sogenannte „Gemeinschaftsbad en suite“, womit sich Hostels stellenweise sogar noch rühmen und Aufpreis verlangen. Es ist allerdings die unangenehmere Variante des Gemeinschaftsbades. Das bedeutet nämlich, für ein 4-, 6-, 8-, oder meinetwegen auch 10-Mann-Zimmer, steht genau ein einziges, dediziertes Badezimmer zur Verfügung, welches direkt die wenig schallisolierte Tür vom Schlafraum abgehen hat. Man kann sich jetzt leicht vorstellen was passiert: Wenn zu den Stoßzeiten – also meistens früh, wenn man eilig auschecken will, oder abends, wenn langsam Heiazeit wird, oder am besten noch richtig in der Nacht, weil manche auf Party waren – sich dann jeder durchs Bad schält, gibt es ganz schnell Stau. Man wartet also in den Betten, dass sich die nächste Gelegenheit ergibt, ins Bad zu schlüpfen. Währenddessen hört man sich gespannt ständig das Gefurze und Gespühle von jedem an, welches aus dem Bad tönt. Wenn man dann schließlich selber mal an der Reihe sein sollte, weiß man bei jedem Ton genau, was die da draußen jetzt für ein Konzert zu hören bekommen … Also ich muss mal sagen, das ist genau das Gegenteil einer kulturellen Errungenschaft. Dass in einem En-suite-Gemeinschaftsbad dann jeder seinen Krempel im Bad stehen oder hängen lässt, sodass niemand mehr Platz hat, sorgt dabei noch für den geringsten Anstoß. Die liebsten sind mir dabei die, die Sachen wie Zahnbürste oder Rasierer auf dem Waschbeckenrand parken. Ist denen das denn nicht selber eklig, wenn da drüber jeder andere rumspuckt und -sabbert?

 
 

Was mir völlig unklar ist, ist, wie das in den Mehrbettzimmern mit dem Licht funktionieren soll. Es sind ja nun so viele verschiedene Parteien in einem solchen Raum, mit so viel verschiedenen Interessen und Zeitplänen, wann soll denn dann bitte mal das Licht zum besseren Schlafen gelöscht werden? Man muss sich also erstmal grundsätzlich mit dem Gedanken anfreunden, bei Licht (ein-)zuschlafen. Wenn’s Leute mit ein bisschen Anstand sind, löscht dann spätestens um 24 Uhr jemand mal das Oberlicht und alle Raumbetreter laufen dann mit Taschenlampe, oder Handylicht umher. Man erlebt aber auch, dass rigoros die Festbeleuchtung wieder angeschmissen wird, wenn jemand neues in den Raum kommt.

Eigentlich braucht ein Hostelzimmer gar kein Generaloberlicht, dessen Schalter direkt neben der Tür ist und das jeder anschmeißen kann, um alle zu stören. Es war bisher die Ausnahme, dass ich es erlebt habe, dass jeder seine kleine persönliche Lampe am Bett hatte und sich bei Bedarf etwas Schummerlicht machen konnte. Das goldigste war aber bisher, dass es zwar Privatlampen an den Betten gab, die aber ihren Schalter irgendwo anders im Raum hatten und es niemandem klar war, welcher Schalter zu welcher Lampe gehört. Man hat also ständig immer irgend jemandem das Licht an- oder ausgemacht oder aber gleich den Schalter für die Deckenlampe erwischt, sodass jeder was davon hatte. Lachhaft traurig.

 
 

Am meisten machen dann noch die Hostels Spaß, die ganz viele verschiedene Hausregeln haben, wo man feststellt, dass man die selbstverständlichsten Sachen plötzlich nicht darf. Ganz besonders schön ist das in Australien. Noch nie habe ich so viele Verbots- und Beachtungsschilder auf einem Haufen gesehen. Ganz schlimm war es in Gold Coast:

Als erstes bekommt man gleich mal beigebracht: „Check-out ist bis 10 und keine Minute später, sonst gibt’s Strafgebühr!“ Uiiuiiui, hier geht’s ja los.

 
 
 
 

Dann in Australien, die ständig mit ihren „fully licensed hostels“, wo mir nicht klar ist, was da das gute dabei sein soll. Die verbieten mir, Alkohol mit aufs Zimmer zu bringen und eigentlich sogar mit ins Gebäude.

 
 

Das geht scheinbar sogar so weit, dass ich Alkohol an der Rezeption ins Schließfach abgeben müsste, bevor ich weiter im Gebäude lustwandle. Ich habe aus „medizinischen Gründen“ eigentlich immer eine klitzekleine Flasche Whisky oder Rum mit im Rucksack. Die gebe ich wohl jetzt ab, oder wie oder was? Auch wenn der Hustensaft, oder der Hingfong aus der Reiseapotheke Alkohol enthält, da bin ich also schon der fiese Gesetzesbrecher, wenn ich das mit auf dem Zimmer habe? Was ist denn bitte bei euch kaputt …

Doch das geht noch weiter: nicht nur Alkohol, sondern jegliche Getränke (außer Wasser) waren auf dem Zimmer verboten; dasselbe gilt für Essen.

 
 
 
 

Ja ich habe aber auch als Notration immer noch ein paar Fruchtriegel oder ähnliches mit im Rucksack. Muss ich die jetzt vor der Tür lassen, oder an der Rezeption abgeben? Die gehen davon aus, dass man die Küche benutzt und sein Zeug in den Kühlschrank legt. Dabei wär’s aber eben auch ganz schön, wenn genug Platz in diesem Kühlschrank wäre, dass das auch jeder machen könnte. Da dort drin ein riesiges unübersichtliches Durcheinander herrscht, soll jeder Gast seine Lebensmittel in eine Tüte stecken und mit einem Etikett versehen. Wer das nicht macht, muss damit rechnen, dass sein Zeug entsorgt wird.

 
 

Hat man’s also endlich geschafft, drauf klar zu kommen, dass man kein Essen mit auf dem Zimmer haben darf, es ordentlich beschriftet hat und endlich im Kühlschrank verstaut hat, fällt einem das nächste Hinweisschild auf, was einem bedetet: die Küche hat Öffnungszeiten und zwar von 7:00–22:00.

 
 
 
 

Man bekommt also sein Zeug, was man eben gerade noch bis 21:00-Ladenschluss eingekauft hat, dann also erstmal unerreichbar weggeschlossen. Was für ein Mist ist das denn, bitteschön? Ich frag mich warum die 22:00 die Küche abschließen. Ich habe ja erst gedacht, dass die die in den Nachtstunden vielleicht picobello putzen wollen … aber Fehlanzeige: 22:00 schließen, heißt nicht, dass 22:00 geschlossen wird um zu reinigen, sondern, dass 21:30 schon angefangen wird, die Leute rauszukehren, um dann 22:00 zu schließen.

Die Krönung des Ganzen ist dann allerdings noch dieses Schild:

 
 
 
 

Bedeutet: „Weil die Küche ja jetzt zu ist, du aber eventuell einen kleinen Happen zu dir nehmen willst, geh’ doch um die Ecke an den Automaten und kauf’ dir dort was.“ Also da hab ich mich dann aber wirklich verarscht gefühlt. Ich habe eben gerade eingekauft, ihr verbietet mir, das bei mir zu haben, schließt das weg und sagt mir dann ich soll von euch was kaufen? Welches Superhirn hat denn das ausgebrütet … Ich komme mir hier vor wie im Knast.

Sollte man es dennoch geschafft haben, sich innerhalb der vorgegebenen Zeit etwas zu Essen zubereitet zu haben, möchte man eventuell gern im zentralen Gemeinschaftsbereich fraternisieren und sich mit auf die Couch fletzen, in der auf dem großen Flachbildschirm nahezu ununterbrochen Filme geschaut werden. Da entdeckt man dann aber wiederum folgendes Schildchen:

 
 
 
 

„Du darfst hier mit dem Essen auf keinen Fall sitzen!“, bekommt man da als Hinweis. Ja vielen Dank auch – hätte ich mir eigentlich auch gleich denken können.

Und dass die ganze Sache auch wirklich rund ist, hängt in der Küche noch die Warnung:

 
 
 
 

„Wir filmen dich und wenn du nicht richtig aufwäschst, zahlst du Strafe!“ Wow, bekomme ich hier eine gute Laune, die Menschen sind ja sowas von lässig drauf, alles ist super entspannt und relaxt …

Während auf booking.com oder auf der Webseite immer noch alles ganz cool aussieht und prima klingt, ist man dann vor Ort und bekommt erstmal mit, wie bekloppt das eigentlich alles ist. Also es tut mir Leid, aber da kann ich nichts gutes dran finden, wenn Gasthäuser so bescheuert sind. Da wundert’s mich schon gar nicht mehr: die haben einen Pool (was phänomenal ist!), dort schwimmt Tag und Nacht der Reinigungsroboter drin rum und versperrt mit seinem langen Schlauch immer wieder in neuen Varianten den Weg.

 
 
 
 

Da putzt also Tag und Nacht der Roboter den Pool, sodass eigentlich niemals der Pool richtig für Gäste nutzbar ist und es wird dabei vollkommen außer Acht gelassen, dass das, was einen Außenpool eigentlich sauber erscheinen lässt, eine abgeschöpfte Wasseroberfläche ist, auf der nichts rumschwimmt. Da der Pool Schließzeiten hat (natürlich!), die noch straffer sind, als die Küchenschließzeiten, habe ich verwundert nachgefragt, warum man denn nicht den Roboter nur in den Nachtstunden rumputzen lässt. Die Antwort war: „Das Management will das so.“ Na herzlichen Glückwunsch, liebes Management. Mich seht ihr jedenfalls dort nicht nochmal.

Also wirklich, da erlebt man stellenweise schon sehr ulkige Sachen … Vielleicht bin ich aber auch inzwischen einfach nur zu alt für derartige Unterkünfte und finde das deswegen alles ziemlich blöd, wie das dort abläuft.

 

1 Kommentar

  1. Sehr cool. Ich glaube aber auch, dass das was mit dem Alter zu tun hat. Irgendwann hat man so seine Eigenarten und die gibt man nicht so schnell auf. (hab sehr über die Geräuschbeschreibung aus dem Bad gelacht)

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