Die verrückten Hutmacher von Waya Lailai

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Im Resort werden ja immer so Tagesaktivitäten angepriesen, an denen man (entgeltlich) teilnehmen kann. Unter anderem ein Flechtkurs mit fijianischen Naturmaterialien. Da dachte ich erst: „Pfffft, Flechten …“, aber dann sagte mir einer, dass man da nicht nur plöde Armreifen und Lesezeichen machen kann, sondern auch Hüte. Ja das klingt schon anders! Ich also dort hin, wo geflochten ward – denn so einen Hut stelle ich mir schon etwas schwieriger vor; das wollte ich sehen.

 
 
 
 

Dort angesagt, dass ich mich für einen geflochtenen Hut interessiere. „Ah, ja, aber da muss ich erst jemanden spezielles holen, der weiß, wie das mit den Hüten geht.“ „Ok, ja gerne – heute noch, oder morgen, wie ist das?“ „Ja, heute nachmittag!“ Ich dann am Nachmittag nochmal hin, hieß es: „Use Fiji time!“ – „Benutze das seltsame Konzept der ‚Fiji-Time‘ und morgen klappt das dann bestimmt mit dem Hut!“ Ich am nächsten Tag also nochmal hin, hieß es: „Ah, ja, mein Großvater, der kommt morgen mit dem Boot, der weiß, wie das mit den Hüten geht.“

Zwei Tage später war immer noch nichts passiert. Die Fiji-Time war diesmal ausgesprochen lang. Inzwischen hatte es sich aber schon auch zu ein paar anderen Gästen rumgesprochen, dass ich mich um einen geflochtenen Hut bemühe und wurde ständig angesprochen, ob ich denn meinen Hut nun endlich mal bekommen habe. Ich hatte die Hoffnung dann inzwischen schon aufgegeben.

Bei einem Strandspaziergang wunk mir aber dann später von weitem jemand aus dem Nachbardorf zu und machte über sich so Gesten und Bewegungen, die wie „Hutflechten“ aussahen. Ich hin. Wurde mir versprochen, dass, wenn ich morgen Vormittag hier nach „Loata“ frage, ich einen Hut geflochten bekommen könne – denn es wissen nicht viele, wie das mit dem Hut geht, aber Loata ist eine davon. „Hm, aber morgen reise ich doch ab; zwar erst nachmittags, aber schaffen wir das bis dahin?“ „Jaja, das geht schon.“ „Gut, ich komme morgen vorbei.“

 
 
 
 

Ich also am nächsten Tag hingegangen, Loata brachte es auch gerade angedreht und die Schose konnte doch noch endlich los gehen, wie im folgenden dokumentiert:

 
 
 
 

Zuerst musste sich ein geeignetes Blatt einer Kokospalme herausgesucht werden. Wichtig ist, dass es ein noch junges ist, denn die Blättchen müssen noch frisch und flexibel sein, dass sie sich zum Flechten gut eignen.

 
 

Dann wird das Ding abgehackt und zum nächstgelegenen Weiterverarbeitungsplatz geschliffen.

 
 
 
 

Als nächstes muss versucht werden, sich so entlang der Mittelrippe zu schälen, dass wir nur noch einen dünnen Träger erhalten, an dem die Blättchen der Reihe nach noch dran sind.

 
 
 
 

Dann muss Mutti nochmal helfen, denn nur die weiß, wie man den Hut richtig anfängt, dass der auch rund und stabil wird.

 
 
 
 

Hier ist zu erkennen, dass das schon langsam Form annimmt …

 
 
 
 

… und Loata kann nach sorgfältiger Inspektion nun mit dem eigentlichen Flechtwerk beginnen.

 
 
 
 

So sah es aus, als würde ich wenige Stunden vor meiner Abreise dann doch noch zu einem Hut kommen. Ursprünglich hatte ich mir ja vorgestellt, dass ich selber den Hut flechte und das gelernt bekomme – denn so hieß die Ansage: „weaving lesson“ – „Webkurs“ / „Flechtkurs“. Aber das ist doch ein etwas aufwändigeres Unterfangen, da hätte ich bestimmt ewig gebraucht und so wurde lieber der Hut für mich fabriziert. Weil das natürlich etwas dauerte, hat mich das Damenkränzchen dann auch erstmal zum Mittagessen ins Resort geschickt – wo ich dann nach einiger Zeit plötzlich das fertige Stück präsentiert bekam und auf einmal alle Aufmerksamkeit der Mittagsgäste auf mich gezogen hatte.

 
 
 
 

Ich, mit fertigem Kokoshütchen.

 

Fertig? Bei der Endabnahme waren mir natürlich dann noch gewisse Mängel aufgefallen. Der Hut war – trotz Spezialanpassung an meinen Nischel – plötzlich zu groß geraten und wurde leicht vom Winde verweht. Ich hatte dann die Idee, dass ja schon ein Kinnband (was ja eigentlich sowieso rangehört) Abhilfe schaffen würde. So bin ich anschließend nochmal zum Nachbessern vorbei gegangen und habe noch ein geflochtenes Bändchen ranmontiert bekommen.

 

Mit einer kleinen Eigenerfindung habe ich das dann sogar noch als verstellbares Kinnband machen können. Da haben selbst die fijianischen Flechtmeister gestaunt, was so’n dahergeschipperter Städter doch für Tricks auf Lager hat.

 
 
 
 

Die große Frage ist jedoch, ob ich es schaffe, das Hütchen heil oder überhaupt bis nach Deutschland als Souvenir zu bekommen. Ich reise ja schließlich über Neuseeland weiter und es kann sein, die konfiszieren mir das „frische Pflanzenmaterial“ sofort an der Grenze. Ich versuche es trotzdem. Natürlich werd’ ich das deklarieren, denn wenn die mein Gepäck kontrollieren sollten und finden sowas, dann bin ich Mode! Ich habe Horrorstories von Leuten vom Flughafen in Auckland gehört, dass die dort noch kranker drauf sind als die Australier bei der Einreise: die motzen einen an, wenn die ein Krümelchen Dreck auf den Schuhen entdecken. Eine Dame im Resort hatte wirklich vergessen, etwas zu deklarieren, und hat auf der Stelle 400 NZ$ Strafe bezahlen dürfen … dann lieber lasse ich die den Hut dort wegschmeißen, wenn der denen nicht in den Kram passt …

 

1 Kommentar

  1. Hi Christian,
    Schön zu sehen, dass du soweit rumgekommen bist. Und wo es dich überall angeschwemmt hat, wahnsinn.
    Liebe grüße aus Frankfurt,
    Kathi und Johannes
    Ps: hatten in semporno/mabul kennengelernt. Hast du auf deiner reise nochmal so schmackhafte dumplings gefunden wie auf mabul?

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