Unverhofft: Fiji !

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Da sage ich noch so: „Ich wöllte dann gerne auch mal noch irgendwie nach Neuseeland …“ und keine zwei Stunden später hatte ich einen Trip auf die Fiji-Inseln gebucht. Unverhofft kommt oft. Jetzt wird die Sache mit der Südsee, die ich mir nur ins Geheim leise erhofft hatte, also doch langsam noch Wahrheit.

Während ich im Hostel in Melbourne sitze und gerade anfange zu überlegen, wie ich die nächsten (und letzten) vier Wochen der Reise gestalten soll, fällt mein Blick auf ein Werbevideo, was an der Wand läuft: „Wir schicken Leute regelmäßig nach Fiji!“ war irgendwie der Slogan.

 
 
 
 

Na dann schauen wir doch mal auf eurer Webseite, was ihr so anbietet. Da ich noch ein paar Fragen zu einem solchen Paket hatte, habe ich ungewohnterweise das Javascript-Live-Chat-Fensterchen auf der Webseite genutzt, in der Hoffnung, dass mir da jetzt echt jemand sofort antwortet. Und siehe da: es tat’s! Das abstruse: eine Stunde später stelle ich fest, dass derjenige, mit dem ich da gechattet habe, der Typ vom Reisebüro ist, der sein Geschäft gleich neben der Rezeption des Hostels hat und an dem ich vorher fünfmal vorbei gerannt bin, ohne das als Reisebüro wahrzunehmen. Da haben wir ersmal tüchtig gefeiert über die ulkige Situation; wir saßen quasi 20 m auseinander und wussten das nicht. Und so hatte mir Clinton, wie der Knabe hieß, schon am nächsten Tag einen Trip nach Fiji versorgt – und ich musste jetzt nur noch de Flüge ringsrum buchen.

 
 
 
 

Gedanklicher Einschub

An der Stelle: ich lerne langsam zu schätzen, was für ein Glück das doch durchaus ist, einen deutschen Pass zu haben. Wenigstens einen Vorteil muss ja das Deutschsein auch mal haben – und der liegt scheinbar darin, dass man sich außerhalb von Deutschland mehr oder weniger frei bewegen kann. Ich bekomme nämlich für Fiji ein visa on arrival, also quasi Aufenthaltserlaubnis bei Ankunft, ohne großes Trara. Nur dadurch konnte ich jetzt so kurzentschlossen einfach drauflosfliegen.

(Wenn ich da an Asser denke, für den sowas einfach nicht möglich ist, weil er mit einem ägyptischen Pass bei sowas ausgeschlo‍‍‍‍‍‍‍ssen wird und am besten noch lange im Voraus bei der Botschaft in Kairo persönlich ein Visa beantragen muss und oftmals auch noch richtig Geld dafür bezahlt … Ich finde sowas echt scheiße! Welt, änder’ dich mal! Was soll der Kack? Für manche ist sozusagen irgendwas Sperrgebiet, für andere problemloser Durchmarsch möglich. Dort wo ich herkomme™, würde man sowas als „Diskriminierung!“ und „Rassismus!“ ächten und nach „Gleichberechtigung!“ schreien – ist aber auf der Erde überall an der Tagesordnung, z.B. eben durch genau solche Sachen. Traurig, traurig … Wer liegt denn da nun falsch? Deutschland oder die Welt?)

 
 
 
 

A propos „unverhofft“: Wenn man dann zum Flughafen kommt und sieht, dass die Check-in-Schalter sehr verdächtig etwas zu verlassen aussehen, macht man sich im ersten Moment noch keine großen Gedanken – ist ja nicht so schlimm, wenn die mal 10 min später als angekündigt aufmachen. Wenn dann allerdings drei Damen anmarschiert kommen, die die handvoll Fluggäste etwas informell und ohne das gewohnte, auffordernde Lächeln zu sich an den Schalter winken, dann kommt einem das dann schon etwas komisch vor. Wenn man sich dann mit anstellt und mit hört, dass da etwas von „Flug gestrichen“ gesprochen wird, da denkt man dann, dass sein Schwein nicht nur pfeift, sondern komplette Sonaten mit Überlänge auf der doppelläufigen Tuba trötet.

Es stellte sich also heraus, dass sich Fiji Airways überlegt hat, den Flug zu streichen und einen Zyklon als Begründung anzubieten. Böse Zungen behaupten allerdings, dass Fiji Airways keine Lust hatte, eine Maschine fliegen zu lassen, wenn dort nur zehn Leute mitfliegen. Kurz die Karte auf meiner Lieblingswetterseite wunderground angesehen, lässt mich allerdings doch eher an den Sturm glauben (der Fiji Airways wahrscheinlich sehr gelegen kam).

 
 
 
 

Der nächste Flugversuch soll morgen um 10:20 Uhr stattfinden. Es findet also heute meine erste Übernachtung auf einem Flughafen statt. Habe mir schon ein weiches Plätzchen gesucht: ein geschlossenes Café, was gepolsterte Sitzbänke hat. Nach den ganzen nervigen Hostels und übernachten auf dem Autorücksitz jetzt nicht unbedingt die schlechteste Alternative. Ich hoffe nur, mich scheucht niemand weg …

 
 
 
 

Als mich die Café-Mitarbeiterin dann kurz nach fünf geweckt hat, stellte ich fest, dass ich bei weitem nicht der einzige war, der sich die kuschligen Bänke als Schlafgemach ausgemacht hatte. Ich vermute, die werden regelmäßig als Übernachtungsmöglichkeit auserkoren, so routiniert wie die Mitarbeiterin den Weckdienst vollführt hat. Jetzt hieß es erstmal leckeren Kakao und Apfel-Zimt-Muffin verspulen.

 
 
 
 

Beim Rundgang gegen sieben Uhr über den Flughafen, auf der Suche nach einem Display welches die Flüge anzeigt, stieg die Spannung: wird mein Flug, der für 10:20 Uhr angekündigt war, nun auch wirklich stattfinden? Fehlanzeige: Fiji Airways stand da nicht dran. Aber Virgin Australia fliegt nach Nadi, Fiji! Aber wenn Virgin fliegt, warum fliegt dan Fiji Airways nicht? Die hilfbereite Dame am Virgin-Schalter brachte für mich in Erfahrung, ob und dass Fiji Airways tatsächlich wie angekündigt fliegt, bloß noch nichts an den Displays steht. Ja ok, das ist natürlich blöd, aber jetzt wusste ich jedenfalls schon mal, an welchen Check-in-Schalter ich musste. Und siehe da: alles paletti, ich konnte für den Flug einchecken!

 
 
 
 

Fiji Airways war übrigens bisher die einzige Fluglinie, die mein Handgepäck wirklich mal gewogen hat – und die lassen nur 7 kg zu, was ich bei weitem überschreite. Lufthansa und Air Asia hat das nie interessiert. Also hieß es erst nochmal umpacken, sodass ich den „Approved-Cabin-Baggage“-Sticker an den Rucksack bekomme.

 
 
 
 

Ich hoffe, jetzt kann’s aber nun wirklich endlich mal losgehen hier! Das Gemähre egah …

Fünf Stunden später …

Zu früh gefreut. Nachdem der Start sich etwas hinauszögerte, weil ein „technisches Problem“ aufgetreten war, wir schon auf der Rollbahn waren, und eigentlich losfliegen wollten, kam plötzlich die Durchsage, dass wir nochmal ans Gate zurück müssen, da noch ein „technisches Problem“ aufgetreten war. Nach weiterem Warten die Durchsage, dass die Passagiere nochmal das Flugzeug verlassen sollten, da die Reparaturen möglicherweise länger dauern könnten …

 
 
 
 

Aber besser die „technischen Probleme“ treten vor dem Start auf und nicht danach … Wir haben dann nochmal „food voucher“ bekommen, um uns das Warten etwas schmackhaft zu machen. Inzwischen hatte ich schon eine kleine Sammlung …

 
 
 
 

… die ich dann gleich mal in Pizzascheibchen umgesetzt habe:

 
 
 
 

Und dann, dann ging es eeeeeeeendlich los!

 
 
 
 

Über Wasser, Wasser, Wasser. Diese riesigen, unendlich erscheinenden Wassermassen soweit das Auge reicht, mit nichts ringsrum oder dazwischen: da bekomme ich etwas Gänsehaut.

 
 
 
 

Fiji passt ähnlich wie Australien auch auf, dass keine Biokontaminationen mit ins Land kommen und alles verwüsten. Deshalb muss man vorher auf der Arrival-Card alles deklarieren, ob man etwas schlimmes mit im Gepäck hat. Ich hatte natürlich Essen mit, nämlich die Pizzascheibchen und weitere Sachen. Die wurden sich bei der Grenzkontrolle angesehen und es hieß: „We must confiscate your apple.“ – „Wir müssen deinen Apfel konfiszieren.“ Denen hatte es tatsächlich nicht gepasst, dass ich einen Apfel aus Australien mit dabei hatte; aber gequirltes Schwein darf man mit reinbringen, denn die Salami-Pizza hab ich später noch im Hotel verspult. Über den amtlichen Vorgang der Konfiszierung eines frischen Apfels, der der Vernichtung zugeführt wird, erhält man dann sogar ein offizielles Dokument:

 
 
 
 

Hat man dann den ganzen Knadderaddadsch hinter sich, kommt man an einem musikalischen Begrüßungskomittee vorbei, welches langsam Südseestimmung aufkommen lässt.

 
 
 
 

Ok, etwas hübscher dekorieren hätten sie die drei Männln schon können; die Mülltonne wirkt etwas einschläfernd. Dafür ist das Hotelzimmer aber ganz prima. Es gibt hier sogar eine Duschkabine! Das erste mal wieder seit drei Monaten, dass mir sowas in Hotelzimmern begegnet.

 

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